Corona-Helden: Nach Sars-Covid-19-Infektion: Happy End in der Geriatrischen Reha

Ärzte, Pflegepersonal, Supermarkt-Verkäufer: Die Liste der gefeierten Corona-Helden ist lang. Doch nicht alle werden gleichermaßen gesehen und gewürdigt. Wir stellen deshalb Menschen vor, die in der aktuellen Krise – freiwillig oder unfreiwillig – ihren ganz persönlichen Beitrag leisten. Dieses Mal: Ein Ehepaar aus Mittelfranken, das nach bangen Monaten froh ist, einfach wieder beisammen zu sein.

55 Jahre sind Gerda und Herbert K. verheiratet. Dann bringt nicht nur Corona ihr Leben ins Wanken. Statt wie geplant entspannt im Garten den Frühling zu genießen, Enkelkinder zu besuchen  finden sich beide in der Klinik wieder. Herbert K. im Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung Bad Windsheim, seine Frau Gerda auf der Intensivstation in Neustadt an der Aisch. Das kaum erhoffte Happy End: Nach vier langen Wochen in Ungewissheit treffen sich beide in einem Doppelzimmer der Geriatrischen Reha wieder.

 

„Ich hatte immer so Magenweh“, erinnert sich die 73-Jährige an die ersten, für Corona eigentlich untypischen Symptome. Ihr Mann Herbert K. lag zu dieser Zeit bereits mehrere Monate im Krankenhaus. Prostata-Verkleinerung, septische Pfannenlockerung in der Hüfte und schließlich auch noch Morbus Crohn. Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die sich durch starke, krampfartige Bauchschmerzen und Durchfall äußert. Als er auch dieses Leidenendlich überstanden hatte, wurde der 80-Jährige in der Geriatrischen Reha Bad Windsheim wieder aufgepäppelt.

 

Anrufe vergebens: Ehefrau erkrankt an Corona

Was der Senior zu dieser Zeit nicht wusste: Die vermeintliche Magenschleimhautentzündung seiner Frau mündete unterdessen in das von vielen gefürchtete Corona-Virus Sars-Covid19, das gerade die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt. Immer wieder versucht er seine Frau zu erreichen. Vergebens. Die gemeinsamen Kinder möchten ihn nicht beunruhigen und sagen nur: „Der Mutter geht’s gut. Sie liegt im Krankenhaus.“ Mehr habe er nicht erfahren.

 

Von Wohlbefinden kann bei der Rentnerin zu dieser Zeit aber keine Rede sein. Die Beschwerden werden schlimmer, schließlich ruft sie den Notarzt. „Kann man auch ohne Fieber Corona bekommen“, fragt sie am Notruf-Telefon und findet sich wenig später im Krankenwagen wieder. Ihre leise Hoffnung: Im Krankenhaus Bad Windsheim ihrem Mann zu begegnen. Vergebens. Gerda K.landet nicht in Bad Windsheim, sondern in Neustadt an der Aisch auf der Intensivstation, wird dort künstlich beatmet und kann sich hinterher nur noch dunkel an diese Zeit erinnern. Eines weiß sie aber noch: In der Isolation hat sie sich einsam gefühlt.

 

„Das waren harte vier Wochen“

Ihr Mann, der aus Fürsorge seiner Kinder lange in Ungewissheit gehalten wurde, sagthinterher: „Das waren harte vier Wochen.“ Gerda K. ringt um Fassung: „Ich habe immer wieder gedacht: ‚Du darfst nicht sterben, du darfst nicht sterben. Wir haben noch so viel vor.“ Und dann laufen doch die Tränen– bei dem Gedanken, wie knapp sie davon gekommen ist. Und vor Erleichterung und Freude, dass sie endlich wieder bei ihrem Mann sitzt. „Man ist jetzt halt einfach wieder zusammen“, sagt sie mit bebender Stimme und wischt sich die Tränen aus der Augenfalte.

 

Ihr größtes Glück für den Moment: Endlich, nach überstandener Corona-Infektion, bekam sie doch ihren lang gehegten Wunsch erfüllt und durfte in die Reha nach Bad Windsheim. Dort sitzen sie jetzt, Gerda K.mit erhobenem Kopfteil im Krankenbett, Herbert K. ihr zugewandt auf einem Stuhl daneben. Im gemeinsamen Doppelzimmer versuchen sie, die Ereignisse der vergangenen Wochen zu verarbeiten und wieder optimistisch in die Zukunft zu blicken. Dafür genügt nach dieser turbulenten Zeit allein die Zweisamkeit: „Jetzt hat man wenigstens wieder Hoffnung“, freut sich die frisch genesene Corona-Patientin.

 

Link zum Video: https://youtu.be/ri9E45iab60